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Einmal rund um die Adria

Ziel der diesjährigen großen Sommerfahrt sollte mal wieder Karma Berchen Ling, unsere tolle Stelle in den griechischen Bergen auf dem Pelepones bei Xylocastro sein. Nachdem das letzte Mal die Anreise mit der Fähre von Venedig nach Patras erfolgte stand diesmal der Landweg auf dem Programm. Leider konnte ich niemanden finden, der Zeit und Lust hatte mich zu begleiten, also bin ich den ersten Teil bis Griechenland allein gefahren. Meine größte Schwierigkeit in der Vorbereitung war, die Entscheidung zu treffen ob ich durch Albanien oder den Kosovo fahren wollte. Auch mein Posting im TA-Forum hat mir die Sache nicht erleichtert, für beide Ziele kamen sowohl Warnungen als auch "ist kein Problem" Meldungen. Also wollte ich erstmal bis nach Dubrovnik und die Entscheidung dann im letzten Moment treffen. Da ich genügend Zeit hatte habe ich auch überlegt einfach beides zu machen, erst Kosovo und dann Albanien oben beim Oridsee rein und runter zur Küste.

Los gings wie immer in München, zuerst auf die Autobahn nach Kufstein, dann Pass-Thurn, Felbertauern (mit Schneeregen im August!!!), Plöckenpass, Triest, durch Slowenien nach Kroatien runter an die Küste. Kurz hinter Rijeka bin ich dann nach 526km in Barakac über Nacht gebliegen. In ganz Kroatien war Übernachten und Essen nie ein Problem. Selbst wenn das Dorf noch so klein ist, einer vermietet immer ein Zimmer und ein anderer hat immer einen Grill. So war das Reisen an der neu ausgebauten Küstenstraße ein echter Genuß, Kurven zum Abwinken, blaues Meer, wenig Verkehr, schade nur dass ich allein war. Etwas Schönes ist dann am schönsten, wenn man es teilen kann. Daher sind von der Reise auch nur wenig Bilder entstanden, ich hatte zu wenig Gründe zum Anhalten...

Mittagspause kurz nach dem Felbertauernpass, endlich wird das Wetter besser und ich kann mich aufwärmen:

Landgasthof in Österreich

Barrakac, Abendstimmung am kleinen Fischerhafen. Ich habe ein Privatzimmer mit Frühstück für 20€ gefunden:

Barakac

Den nächsten Tag bin ich der Küstenstraße nach Südosten Richtung Dubrovnik gefolgt. Bis auf ein kleines Teilstück ist sie frisch mit supergriffigem Asphalt neu geteert, man kann's richtig fliegen lassen. Noch dazu war ich spät genug im Jahr unterwegs um vom schlimmsten Reiseverkehr verschont zu bleiben, sprich ich hatte die Strecke fast für mich allein. Die vielen schönen kleinen Badebuchten habe ich leider mangels Gesellschaft ausgelassen.

Mittagspause in Kroatien

An diesem Tag bin ich bis in ein Dorf ca. 20km vor Dubrovnik gekommen, nach 524km Kurvenrausch beschloss ich hier über Nacht zu bleiben, schliesslich musste ich auch eine Entscheidung treffen. Habe ein schönes kleines Hotel gefunden und mich bei einem Bier entschieden mir doch erst den Kosov anzuschauen. Mal sehen was an all den Warnungen dran ist, die ich bekommen habe: Bleib nirgends stehen, fahre nicht Nachts, bleib da nicht über Nacht, schau dass du in einem Rutsch durchkommst, hast ja einen großen Tank usw... Albanien könnte ich ja dann immernoch dranhängen.

Also fuhr ich am nächsten Morgen noch die letzten Kilometer bis Dubrovnik, habe sicherheitshalber nochmal vollgetankt und bin dann auf kleinsten Stässchen nach Bosnien rein. Hier gabs dann die erste "richtige" Grenzkontrolle mit Stempel im Reisepass, Vorzeigen von Grüner Versicherungskarte, Fahrzeugpapieren und einmal in jede Kiste schauen. Diese Zeremonie verfolgte mich auf der weiteren Fahrt an jeder Grenze bis Griechenland, nur bei der Einreise nach Kosovo wurde noch eins draufgesetzt.
Gegen Mittag erreichte ich die Grenze Bosnien / Montenegro, immernoch auf den kleinsten Sträßchen, die auf meiner 1:300.000er Karte verzeichnet waren. Am ganzen Nachmittag in Montenegro begegneten mir auf der Straße zwei Autos und 4 Waldarbeiter. Die Leute in den Dörfern winkten mir beim Vorbeifahren zu. Ich konnte kaum glauben noch in Europa zu sein. Eigentlich genau das was man so als "Adventure Biker" sucht. Aber nachdem ich am späten Nachmittag immer noch nicht richtig vorwärts gekommen war, es weit und breit keine Übernachtungsmöglichkeiten, Tankstellen oder anderes Zivilisationsgut gab wurde mir die Sache so ganz allein doch etwas mulmig und ich habe mich etwas mehr Richtung der größeren Straßen orientiert, und plötzlich war ich schon wieder an einer Grenze.

Mittagspause in Montenegro:

Mittagspause in Montenegro

Traumstraßen für Adventure-Enduros in Montenegro (mit Ästen, Laub, Steinen, Schafen und ähnlichem muss ständig gerechnet werden):

Montenegro

Welcher Kontrollposten hier zu welchem Land gehörte habe ich nicht wirklich verstanden, jedenfalls wurde ich auf den nächsten paar Kilometern mehrfach kontrolliert, zwischendrin einmal von UN-Soldaten mit Blauhelmen und Desinfektionsbecken mit brauner, fast achstiefer Soße, durch die alle Fahrzeuge inklusive meiner alten TA durch mussten. Dann wurden wir im Computer erfasst und bekamen einen weissen Passierschein der uns zum Transit des Kosovo berechtigte. Nach dem Grenzhäusschen verfolgten mich erstmal zwei bellende Hunde, die ich auf der schlaglochübersäten Straße erst nach einigen hundert Metern abschütteln konnte.
Da war ich also im Kosovo, müde, hungrig und von Hunden gejagt. Um mir die Suche nach Unterkunft und Nahrung zu erleichtern steuerte ich eine groß und dick und rot in meiner Karte verzeichnete Europastrasse an. Dass das im Kosovo nichts zu bedeuten hat erlebte ich kurze Zeit später als der Asphalt einer relativ guten Piste wich, und von der einstmaligen Brücke über einen Fluß zwar noch die Brückenköpfe sichtbar waren, die Brücke jedoch den Krieg nicht überlebt hatte. Der Verkehr lief jetzt wieder ganz nach altväter Sitte durche eine kurz oberhalb gelegene Furt. Ein paar Dörfer weiter mahnte dann auch der Kilometerzähler trotzt 35l Tank zur Suche nach einer Tanke.Und siehe da, im nächsten Dorf standen ein paar verrostete und verbeulte Zapfsäulen. Ich hatte zwar keine Landeswährung und auch nicht viel Vertrauen ob aus den Dingern überhaupt noch irgendwas zu zapfen war, wollte mein Glück aber trotzdem versuchen. Und hier erlebte ich meine erste positive Überraschung in Sachen Kosovo. Nicht nur dass die Zapfsäulen (zumindest eine davon) voll funktionstüchtig waren und tatsächlich der Euro das gebräuchliche Zahlungsmittel ist, waren der Tankwart, sein Gehilfe und kurz darauf noch einige Andere aus dem Dorf echt offen und interessiert. Innerhalb kurzer Zeit hatten sich einige technisch Interessierte um mich und mein Motorrad gruppiert und fragten mich uber GPS, Leistung und alles andere an der TA aus. Am stärksten habe ich ihren Respekt erlebt, dass ich, der doch überall hin fahren könnte, ausgerechnet in ihr Dorf an ihre Tanke gekommen war, und das nach fast drei Tagen Fahrt! Um die Sache kurz zu machen, kurz vor Pristina, an der Haupttransitroute nach Griechenland habe ich dann nach 477km ein Fernfahrerhotel gefunden wo ich Übernacht geblieben bin. Auch hier waren die Menschen wieder völlig offen und sehr daran interessiert wo ich herkam, wohin ich wollte und wie das so ist mit einem Motorrad zu reisen. Sofort wurde ein Stuhl an einem Tisch zurückgezogen und ich aufgefordert mich zu setzen und zu erzählen. Trotzdem würde ich von Nachtfahrten eher abraten, die Schlaglöcher haben doch teilweise erschreckende Ausmaße. Und wenn es in der Pampa dunkel ist, dann ist es wirklich dunkel!

Am nächsten Tag gings dann weiter zur Grenze nach Mazedonien. Auch hier im obligatorischen Grenzstau erlebte ich die Kosovaren wieder als sehr freundlich. Die Autofahrer in der Schlange haben mich aufgefordert nach vorne durchzufahren und nicht zu warten! Auch die Grenzkontrolle selbst war recht interessant. Eigentlich gelten die normalen KFZ- Versicherungen in Kriesengebieten nicht, desshalb muss man bei der Einreise eine Zusatzversicherung abschließen. Irgenwie habe ich das aber vergessen, und hatte daher die erforderlichen Papiere nicht. Jedenfalls ließ mich der Grenzer nach kurzer Diskussion in Händisch und Füssisch dann ohner weitere Dokumente, Stempel oder Gebühren nach Mazedonien ausreisen.

In Mazedonien hielt ich mich dann erstmal westwärts Richtung Oridsee, obwohl ich meine Albanien-Pläne schon vorher fallen gelassen habe. Ich hatte keine Lust mehr auf allein sein und wollte daher nach Griechenland. Aber nicht auf der normalen Route Thessaloniki - Athen, sondern möglichst an der Westküste entlang um in Patras die neue Brücke über den Golf von Korint fahren zu können. Zwischen Kozani und Ioannia hab ich dann die ultimative Motorrad-Traumstecke entdeckt. Sie hat mein bissheriges persönliches Favorite, die Ardeche-Schlucht in Frankreich, abgelöst. Die Griechen haben hier mit den EU Geldern eine schöne neue Autobahn gebaut und die alte Stecke durch die Berge noch dazu saniert. D.h. super griffiger Asphalt und die ganzen Bremser, LKWs, Holländer und Wohnwagen sind auf der Autobahn. Fast 100km Kurven durch die Berge fast für mich allein! Ein Traum! Nach 647km Tagesetappe bin ich in Arta zur Abwechslung mal in einem Nobelhotel abgestiegen.

Die nächsten 10 Tage in Berchen Ling dienten dann ganz der Erholung, Vormittags immer ein bissche was an der Stelle basteln, Tische zimmern oder so, am Nachmittag an den Strand fahren, Enduro-Touren, in die Berge gehen oder in der Höhle sitzen und meditieren. Nach ein paar Tagen kam dann auch endlich Mirja angeflogen :-)

Für den Rückweg haben sich drei weitere Motorräder eingefunden: Axel und Sophie auf einer BMW R1200 GS aus Wien, Karel und Marketta auf Suzuki V-Strom 650 aus Prag und Anita auf BMW F650GS aus München. Wir waren zwar auf zwei Fähren von Patras nach Ancona verteilt, haben uns aber im Hafen von Ancona getroffen um das nächste gemeinsame Ziel, einen Campingplatz in Lido degli Scacci bei Ravenna anzufahren. Die Tour ging über Urbino, San Marino und Rimini. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an Sophie für die coolen Fotos:

Pole Position

der Tanz beginnt

TA Territorium...

Kurven ohne Ende

noch mehr Kurven

Endorphin-Grinsen

Danach kochte die Hinterradbremse der großen GS...

Auf dem Campingplatz hat sich für die Rückfahrt nach München nochmal eine neue Gruppe geformt: Klaus auf AfricaTwin, Ralf auf irgend so einer alten 500er Kawasaki (war verdammt schnell mit dem Teil!) und wieder Anita.

Die Tour führte uns über den Passo Rolle und den Karerpass auf die Brennerautobahn zurück nach München. Kurz vor dem Brenner machte die TA dann noch unangenehm auf sich aufmerksam, indem sie einfach stehen blieb. Fühlte sich an wie Sprit leer, das Umschalten beider Reservehähne brachte aber keinen Erfolg. Erst bei der Demontage des Tanks stellte ich fest dass dieser wirklich leer war. Entweder hatte mir jemand die Benzinhähne verstellt oder ich habe das Rückstellen vergessen. Jedenfalls haben die italienischen Automaten-Tanken dazu geführt dass ich mich mit meinem Spritvorrat total verschätzt habe. Und das mit meinem Riesentank, peinlich peinlich.... Wir haben dann ein bisschen Sprit aus Ralfs Kawa in eine Flasche abgezapft und in die TA gekippt. Allerdings hat man mit einer U-Druck Pumpe ein Problem wenn die Schwimmerkammern erstmal leer sind. Vollpumpen nur mit Anlasser ist so gut wie unmöglich. Also hat mich Klaus mit der AT und einem Spanngurt so lange geschleppt bis die Alp wieder lief.

Auf dem Passo Rolle:

Passo Rolle

 

Valid XHTML 1.0 Transitional Letzte Änderung am: 15.06.2008 Get Firefox!